ZENPGR

Züchterische Erschließung und Nutzbarmachung von pflanzengenetischen Ressourcen durch on-farm / in-situ Erhaltung und Positionierung von Produkten im Bio-Lebensmitteleinzelhandel

Aufbauend auf dem MUD on-farm Netzwerk wird die Nutzung alter Gemüsesorten im SaatGut-Erhalter-Netzwerk Ost weiterentwickelt.

  • Im Mittelpunkt steht die praktische Erhaltungsarbeit. Sorten aus dem Vorgängerprojekt  werden weiter vermehrt, selektiert und angebaut. Durch diese kontinuierliche Nutzung werden das Sortenbild und die Anbaueignung weiter verbessert.
  • Auf Basis der Datenbank ‘Historisch genutztes Gemüse’ (Link) werden historische Recherchen angestellt, um weitere Gemüsesorten zu identifizieren, die im Netzwerk erhalten werden können. Hier wurde explizit der züchterische Handlungsbedarf mit einbezogen.
  • Wie wird der Wert alter Gemüsesorten für Verbraucher*innen kommuniziert? Auf Basis von quantitativen und qualitativen Untersuchungen mit Verbraucher*innen und Expert*innen untersucht die HNEE Verbraucher*innenpräferenzen und erforscht Methoden zur wirkungsvollen Kommunikation über den Wert alter Sorten im Bio-LEH.

Projektlaufzeit: 01.12.2017 bis 30.11.2023

Das Projekt dient einer grundlegenden Verbesserung der Onfarm Erhaltung alter Gemüsesorten und wird von fünf Kooperationspartnern als Verbundprojekt realisiert.

Projektleitung

Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Dr. Chr. Ulrichs

Projektbearbeitung

Annika Grabau (HU Berlin); Alexandra Becker (VERN e.V.); Josephine Lauterbach (HNEE, bis 06/20), Julia Ehrich (HNEE, ab 06/20)

Projektpartner

  • Humboldt-Universität zu Berlin, Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften, Fachgebiet Urbane Ökophysiologie der Pflanzen
  • Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen e. V. (VERN e. V.)
  • Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz, Politik und Märkte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (HNEE)

Kooperationspartner:

  • Bundessortenamt
  • Kultursaat e.V.


Das Vorhaben ist in sechs Teilbereiche gegliedert, die zwischen den Projektpartnern aufgeteilt wurden:

Abbildung 1: Teilbereiche des Projektes ZENPGR

Identifikation von Pflanzengenetischen Ressourcen (PGR)

Für die Gemüsearten Rosenkohl, Wirsingkohl, Endivie, Gurke und Zwiebel wurden an der HU mit Hilfe der Datenbank ‘Historisch genutztes Gemüse’ (Link: https://pgrdeu.genres.de/rlistgemuese) Recherchen angestellt. Durch in der Datenbank integrierte Informationen zu Genbankherkünften und Eintragungen auf der Sortenliste konnte ermittelt werden, wie viele historisch genannte Sorten verschollen sind oder einen Gefährdungsgrad aufweisen, also auf der Roten Liste stehen. Von diesen Rote-Liste-Sorten wurden diejenigen ausgewählt, die eine interessante Form, Farbe, Geschmack oder andere bei modernen Sorten nicht mehr verfügbaren Eigenschaften besitzen. Auch ein regionaler Bezug war ein ausschlaggebendes Kriterium. Es wurden 120 Genbankherkünfte aus verschiedenen europäischen Genbanken ausgewählt und beim Bundessortenamt in den Jahren 2019 und 2020 gesichtet. Positiv bewertete Herkünfte werden durch Netzwerkbetriebe und den VERN e.V. aufvermehrt und in die onfarm-Erhaltung integriert.

On-farm-Erhaltung

Aufbauend auf dem Projekt MuD „Onfarm Erhaltung von alten Gemüsesorten…“ werden in Zusammenarbeit mit dem SaatGut-Erhalter-Netzwerk Ost die Gemüsesorten aus dem Vorgängerprojekt weiterbearbeitet und die neu identifizierten Sorten aus den Sichtungen integriert. Zentral ist die kontinuierliche Verbesserung der Sortenqualität sowie die weitere Vernetzung der Betriebe bei der Sortenarbeit und dem Anbau.

Das Netzwerk ist inzwischen auf 23 Betriebe aus der Region Berlin-Brandenburg sowie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern angewachsen. Pro Jahr werden im Rahmen des Projektes Netzwerktreffen zur weiteren Fortbildung, zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterentwicklung der gemeinsamen Arbeit durch den VERN e.V. koordiniert.

‘Repräsentanten der Vielfalt’ sind Sorten, die im Netzwerk erhalten werden, einen guten Sortenzustand aufweisen und besonders attraktiv in ihrem Geschmack und ihrem Aussehen sind. Sie sollen einen breiteren Anbau erfahren.

Sortenversuche

Mit Hilfe von Sortenversuchen auf Netzwerkbetrieben werden wichtige Anbauinformationen für einige ‘Repräsentanten der Vielfalt’ unter wissenschaftlichen Versuchsbedingungen ermittelt. Die Versuche finden im Jahr 2021 und 2022 statt und werden durch die HU organisiert. Ziel ist es, verlässliche Anbauanleitungen zu erstellen, die die Verbreitung der Sorten auf weitere Anbaubetriebe ermöglicht.

Wertschöpfungskettenaufbau

Neben der Sicherung der erhaltungszüchterischen Arbeit hat das Projekt zum Ziel, ein wirtschaftlich tragfähiges Modell für die on-farm Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen im Netzwerk zu erarbeiten. Das Saatgut-Erhalter-Netzwerk-Ost ist im Laufe der Projektlaufzeit gewachsen. Die Netzwerkbetriebe sind zum großen Teil Direktvermarkter. Im Rahmen einer Workshopreihe wollen wir in den kommenden Jahren die Weichen zu einer gemeinsamen Vermarktung stellen.

Kommunikationskonzept

Wie kann der Wert alter Sorten kommuniziert werden? Wie kann ein Verbraucher*innen-Bewusstsein für alte Sorten geschaffen werden? Von 2018 bis 2020 ging die HNEE diesen Fragen mit Hilfe von Verbraucher*innen-Befragungen und Expert*innen-Interviews nach und erstellte in Zusammenarbeit mit den Projektpartner*innen ein Kommunikationskonzept und Kommunikationsmaterialien. Diese wurden im Hofladen der Domäne Dahlem im Sommer 2020 erstmalig angewandt. 2021 erfolgt eine Probevermarktung im Bio-Lebensmittelhandel in Kooperation mit der BioCompany sowie der Aufbau einer Website als Informations- und Vernetzungsplattform rund um die Zucht, Erhaltung und Vermehrung alter Sorten.

Bürgerliche Finanzierungsmodelle

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen Konzepts für den Erhalt alter Sorten. Im Projektverlauf wurde bereits deutlich, dass eine Mehrzahlungsbereitschaft unter Verbraucher*innen nur begrenzt vorhanden ist. Zum Aufbau einer langfristigen Finanzierung der Erhaltungszüchtung müssen weitere Finanzierungsbausteine erarbeitet werden. Ein vielversprechender Ansatz sind hierbei bürgerliche Finanzierungsmodelle (s. BÖLN Projekt „BioFinanz“ https://www.hnee.de/biofinanz). Deren Potential muss zielgruppengerecht für Samenbaubetriebe und Erhaltungsorganisationen aufbereitet werden. Dies erfolgt unter Einbeziehung dieser Anspruchsgruppen sowie Verbraucher*innen als potentielle Finanziers.

Betriebe, die Interesse haben, bei der gemeinsamen Erhaltung von seltenen Gemüsesorten im Netzwerk mitzumachen, sind herzlich willkommen. Das kann bedeuten, die Sorten anzubauen und zu vermarkten, aber auch Saatgut zu vermehren oder eine Erhaltungszüchtung durchzuführen.

Ansprechpartnerin:

Alexandra Becker

Tel. 033334/859 550
alexandra.becker@vern.de

Projektpartner:

Humboldt-Universität zu Berlin: Annika Grabau
annika.grabau@hu-berlin.de

Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Julia Ehrich
julia.ehrich@hnee.de


Developing new potentials for vegetable breeding based on plant genetic resources (PGR) by on-farm conservation and a marketing concept for old vegetable varieties

The projects aim is to develop new potentials for vegetable breeding based on heirloom varieties which are not available on the European seeds market anymore. The whole value chain will be included in the project and consumer preferences will be considered.

The project focus lies on plant genetic resources (PGR) which are not approved under the current Seed Marketing Act but have been documented in historic sources. Analysis of these sources will be used to identify forgotten or rare types of vegetable crops to broaden the spectrum of types and uses of vegetables from gene bank material. Some of these heirloom varieties will be reintroduced for cultivation and to be utilised for breeding purposes.

In the project an economically viable model for on-farm conservation of heirloom vegetables will be developed. By linking up actors from the whole value chain, distribution channels for these varieties will be extended from direct marketing via farm shop or market stall to stationary food retail. For marketing support, viable means for communication will be developed and tested at the point of sale. A B2C marketing concept for heirloom varieties will be developed.

Cooperating partners from science, vegetable breeding, on-farm conservation, cultivation, wholesale and retail contribute different kinds of competences regarding PGR and ensure a fast knowledge transfer. The project will serve as an economically sustainable model for heirloom vegetable conservation beyond the states of Berlin and Brandenburg.


In den Medien:

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